Test - Seacam UW Gehäuse für Canon EOS 5D
mit Sucher 45 und Seaflash TTL 250


Seacam ist zur Zeit wohl unbestritten der exklusivste Hersteller von Unterwassergehäusen und -zubehör für High-end Kameras. Was zeichnet die Seacam "Silbertruhen" aus? Wie ist das Handling in der Praxis?


Silbertruhe - das Gehäuse

Jedes Seacam-Gehäuse ist durch das markenprägende silberne Exterieur bereits ein Blickfang. Die Form erinnert tatsächlich an eine Kamera und nicht wie bei vielen anderen Herstellern an einen eckigen Kamera-Sarg. Massive schwarze Kunststoffgriffe an beiden Seiten erlauben ein komfortables Handling auch mit dickeren Handschuhen.

Offnet man das Gehäuse, sieht man schwarz. Der gesamte Innenraum ist mit einem schwarzen samtartigen Belag ausgekleidet der zum einen jegliche Reflexionen im Innenraum schluckt, zum anderen aber auch bis zu einer Mokka-Tasse voll Wasser oder Kondensat aufnehmen kann. Ein weiteres Detail, das man im Innenraum erkennt sind die gefederten und individuell einstellbaren Druckknopfüberträger. Manch andere Hersteller - vor allem im 'Polycarbonat-Segment' - verzichten gerne auf diese Federung. Aus leidvoller Erfahrung kann man feststellen, dass eine fehlende Federung die Lebenserwartung der Kameraknöpfe stark verkürzt.

Übertragen werden alle fürs Fotografieren unter Wasser wichtigen Funktionen. Nicht übertragene Funktionen sind zum Beispiel die Abblendtaste oder der schon oft bei Canon Kameras in die Kritik geratene, da nicht umprogrammierbare, "Direct Print-button". Auf beide kann man Unterwasser getrost verzichten.

Alle Übertragungseinrichtungen, also Knöpfe und Stellräder, sind mit optisch ansprechendem und funktionalem Design ins Gehäuse integriert. Dies erleichtert das handling und schnelle, präzise Einstellungen ungemein. Einzig das Stellrad für den Power-Knopf gibt sich kapriziös. Es erfordert eine exakte Positionierung vor dem Schliessen des Gehäuses und etwas Feingefühl bei der Bedienung unter Wasser. Für kleine Hände könnte der Auslöseknopf etwas grösser und näher an den Griffen ausgelegt sein.

Der optionale Leckwarner arbeitet sowohl optisch alsauch akustisch. Ein deutlicher Piepton und eine rote LED zeigen eingedrungenes Wasser an. Der Sensor befindet sich am Boden des Gehäuses, daher taucht man  am besten - entgegen der PADI Empfehlung Objektiv nach unten - Boden nach unten ab. Bei starker Sonneneinstrahlung kann es an der Wasseroberfläche durch Reflexionen innerhalb der LED aussehen, als würde die LED leuchten. Dies kann insbesonders bei den ersten Tauchgängen mit der neuen Kamera zu leichten Panikattacken führen.

Abgedichtet wird das Gehäuse durch einen soliden O-Ring. Da dieser 'frei' in einer gefrästen Nut liegt, ist beim Schliessen darauf zu achten, dass der O-Ring tatsächlich auch in der Nut liegt und nicht etwas herausgerutscht ist, was gerne an der Bodenseite passiert. Kleine Zapfen helfen die Gehäusehälften in Position zu bringen. Zwei selbstsichernde Metallschnallen verschliessen das Gehäuse endgültig.

Diese Metallschnallen sind das einzige Teil, das beim getesteten Gerät einmal klemmten bzw. die Selbstsicherung beinahe versagte. Ein kurzer, gezielter Schlag mit Hammer und Metallstift konnten das Problem allerdings sofort beseitigen. Durch die seitlich montierten Plastikgriffe ist das Öffnen der Schnallen etwas gewöhnungsbedürftig. Es besteht die Gefahr, das man sich die Finger zwischen den Schnallen und Griffen einklemmt. Hier hilft nur ein 'von oben' Eingreifen mit Zeige und Mittelfinger, um die Schnallen sicher zu bedienen.

Aussen am Seacam-Gehäuse prangen Schuhe zur Montage zweier Blitzarme und zwei S6-Buchsen für den bzw. die Blitze. Die Schuhe sind massiv ausgeführt und erlauben die Montage schwererer Blitzsysteme wie zum Beispiel den 3kg schweren Seaflash. Die Kontakte Blitzbuchsen und Verbindunskabel sind vergoldet und verzeihen auch mal eine Berührung mit Seewasser - ein unschätzbarer Vorteil. Ein ganz besonderes Highlight und eine wahre Freude ist die ausgezeichnete Abstimmung von Blitz und Kamera. Doch dazu später mehr.

Die Tarierung unter Wasser ist - abhängig von Port und Objektiv - in der Regel leicht negativ. Die Kamera liegt ohne Blitz z.B. mit dem kleinen Domport und Weitwinkel sehr gut in der Hand. Mit Blitz, Kabel und Blitzarmen wurde die getestete Konfiguration etwas kopflastig und erzeugte ein auf die Dauer unangenehmes Drehmoment. Kleine Auftriebskörper wie ein 'Taucher-Ei' am Blitzarm platziert optimierten aber auch diese Tarierung.


Aquarium für Fortgeschrittene - die Ports

Im Gegensatz zu einfachen Gehäusen, die meist nur einfache Glasplatte als Objektiv-Dom bieten, sind bei Seacam die Ports auf die verwendeten Objektive abgestimmt. Dies ist notwendig um optische Fehler wie Verzeichnungen zu verweiden. Die Ports stehen in unvergüteten und optisch vergüteten Varianten zur Auswahl und decken auch mit Hilfe von Zwischenringen ein weites Spektrum an Objektiven ab. Hier kann man noch jede Menge Geld loswerden.

Sehr zu empfehlen sind die Canon-Linsen 100mm Makro USM und 16-35mm USM L Weitwinkel in Kombination mit dem XXXXXX bzw. XXXXXX Port und einem XXXXX Zwischenring. Für ganz profunde Könner oder Halb-und-Halb-Aufnahmen Fans gibt es auch noch den XXXXXX Port, der allerdings schon ziemlich sperrig im Transport ist. Der Port wird einfach mit einer vollen Umdrehung ans Gehäuse geschraubt. Ein Verkanten des Gewindes ist bei umsichtiger Montage praktisch ausgeschlossen.

Ein nettes Feature ist auch die Möglichkeit, ein Objektiv durch die Port-Öffnung zu wechseln. Einfach den Port abschrauben und mit einem mitgelieferten Spezialwerkzeug das Objektiv direkt von der Kamera lösen, ohne dass diese ausgebaut werden muss.


Durchblick mit Panorama - der Sucher

Wer einmal durch den Seacam S45 Winkelsucher geblickt hat, wird mit keinem anderen mehr richtig glücklich. Die Canon 5D bietet durch den fullframe-Sensor und entsprechenden Sucher bereits ein grosses und präzises Sucherbild. Der Seacam Winkelsucher vergrössert das Sucherbild nochmal um den Faktor zwei. Das lässt bei der Beurteilung vor dem Auslösen keine Fragen offen - insbesonders bei Nachttauchgängen. Kein noch so ausgefeilter elektronischer Sucher kommt momentan in diesen Bereich.

Die Montage ist ebenfalls denkbar einfach. Der Sucher wird von hinten durch die Rückwand eingeschoben, nachdem man eine kleine Einrast-Feder montiert hat. Dann wird er von innen durch einen Sprengring gesichert.

Die Abwinkelung um 45 Grad ist anfangs sehr gewöhnungsbedürftig und für 'point-and-shoot' Freunde wahrscheinlich zu ungewönlich. Für das gros der UW Fotografen dürfte der Sucher nach einer kurzen Eingewöhnungsphase allerdings die Ergebnisse drastisch verbessern. Erstens erreicht man automatisch den Effekt, dass das Foto stärker von unten nach oben geschossen wird - ideal für Makros. Zweitens erlaubt der drehbare Sucher auch knifflige 'über Kopf' Schüsse z.B. bei halb-und-halb. Drittens unterstützt der Sucher eine natürliche Tauchhaltung und trägt damit aktiv zum Schutz der Unterwasserwelt bei.

Wie alles bei Seacam hat auch dieser Sucher seinen Preis. Man sollte sich auf eine knapp 2.000 Euro Investition vorbereiten - nur für den Sucher.

Als Tipp für Fotophile: Besonders für die Zusammenarbeit mit diesem Sucher empfiehlt sich eine Taucherbrille aus schwarzem Silikon. Dadurch werden seitliche Streulichter minimiert und die Brillanz des Sucherbildes insbesonders an sonnigen Tagen nochmals gesteigert.


Einbau der Kamera

Der Einbau ist simpel. Die Kamera wird einfach in den vorderen Teil des Gehäuses eingesetzt und von unten mit einer Stativgewindeschraube fixiert. Vor dem Schliessen des Gehäuses sollte darauf geachtet werden, dass der Power-Schalter der Kamera und der entsprechende Funktionsknopf auf der Rückseite des Gehäuses synchron stehen. Die Speicherkarte kann ohne Ausbau der Kamera gewechselt werden.


Wuchtbrumme - der Blitz

Der Blitz ist fast schon 'a class of its own'. Dies betrifft insbesonders die hervorragende Abstimmung mit der Kamera über das proprietäre Canon TTL-Protokoll, mit dem die Kamera den Blitz steuert. Hier gibt es wahres Plug-and-play. Einstecken und die Belichtung funktioniert. Mittlerweile hatte ich schon ein paar andere Blitz-Kamera Kombos in den Fingern z.b. Nikon mit Hartenberger in einem Sealux-Gehäuse, Nikon mit Ikelite,  ein paar Kompakte mit externem Blitz, etc. Keine einzige kommt an die Seaflash Kombo herran.

Wenn man Nachtfotos macht, muss man bei der Dia-show mit Tauchfreunden ausdrücklich darauf hinweisen, dass es sich um ein Nachtfoto handelt. So genial leuchtet der Seaflash aus. Es ist taghell auf den Photos.

Der Transport auch im Flieger hat sich bis dato als unproblematisch erwiesen. Der Blitz muss im Handgepäck transportiert werden und hat auch spezielle Transportsicherungen.  Man wird zwar auf den meisten europäischen Flughäfen höflich zum Sprengstoff-Abstrich gebeten und sollte daher ca. 15 Minuten extra einplanen. Ansonsten gab es auf den bisher angesteuerten Destinationen bislang keine Schwierigkeiten. Einzig das Gewicht des Blitzes von mehr als 3 kg könnte beim Transport mit dem Flieger Einschränkungen oder Mehrkosten bringen. In Summe liegt das Gewicht von Blitz, Seecam-Gehäuse, 2 Domeports und Kleinmaterial im mitgelieferten Hardcase liegt bei - ohne Kamera und Objektive - mehr als 12 Kilo. Bei den immer verschärfteren Fluggepäckskontrollen kann daher das Mitnehmen als Handgepäck schwieriger werden.


Die Verbindungskabel für Canon sind mit Seacam/Subtronic eigenen "S6" Buchsen ausgestattet. Die Enden sind vergoldet, so dass auch ein kurzer Kontakt mit Seewasser kein Problem darstellt. Master/Slave Betrieb ist ebenfalls möglich - verkabelt oder über Blitzsensor. Die Farbtemperatur des Blitzes ist in 2 Stufen einstellbar.

Der Blitz kommt mit eigenem Lagegerät, dass sowohl 110 als auch 220 Volt verträgt. Schade, dass sich die Industrie nicht endlich auf standardisierte Ladegeräte für Kameras, Lampen, Blitze, Laptops etc. einigen kann. -- Als Digi-UW Fotograf muss man da schon mal ein Kilo allein an unterschiedlichen Ladegeräten herumschleppen.


Bleiben noch die Blitzarme. Stabil ausgeführt sind for allem die grossen Feststellhebel äusserst praktisch. Auch mit dicken Handschuhen bleibt das Handling einfach und präzise.


Schlepphilfe - der Koffer

Der mitgelieferte Hardschalen-Koffer überschreitet die Bord-Masse der meisten Fluglinien - Ausnahme Austrian Airlines - um wenige Zentimeter in der Breite. Einteilung kann man selbst verändern. Lieder erweisen sich die Fächer im anspruchsvollen Einsatz als nicht aussreichend stabil. In heiss-feuchtem tropischen Klima löst sich an einzelnen Stellen der Kleber leicht ab. Gelegentlich springen auch die Einteilungsfächer aus ihren Verankerungen. Besser wäre hier ein System aus vorgeformtem Schaumstoff.


Fazit

Vorteile
  • Ausgezeichnete Qualität des Gehäuses
  • Einfache Wartung
  • Exzellente Abstimmung mit dem Seacam Blitz


Nachteile
  • Hohes Gewicht
  • Hoher Preis
  • Wenig Möglichkeiten das Gehäuse zu testen bzw. einfach mal 'in die Hand zu bekommen'



(Stand 2008)
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