IDC Staff Instructor Kurse und IDC Kurs Staffing bei Thomas Roehn www.go-pro.com


Wusch! Da ist es wieder. Dieses erschlagende Gefühl am Ausgang des Phuket International Airport, wenn die tropisch warme, feucht-schwangere Luft Dir ins Gesicht schlägt und Dir als nicht-akklimatisierter Mitteleuropäer sofort der Schweiss ausbricht. Lärm und ein quirliges Durcheinander von Passagieren, Taxifahrern, Resort-Limousinen und Leuten, die einfach ein paar Bath verdienen wollen, indem Sie Dich ins nächst beste "Taxi" lotsen, sind die ersten Willkommensgruesse. Kurz mit einem Taxi um den Preis gefeilscht und schon kann es los gehen nach Kata Center.


Einquartierung

Nach knapp einer Stunde Fahrt für rund sechshundert Bath hält der Wagen vor dem "Lucky Guesthouse", in dem dieses Jahr alle IDC Kandidaten und Staffs untergebracht sind. Ein sehr einfaches Haus, das hauptsächlich von zwei Klientelen gebucht wird: Tauchern und Sextouristen. Die Zimmer sind abgesehen von Überresten der letzten Gekko-Mahlzeiten einigermassen sauber, aber wirklich spartanisch eingerichtet. Den Warmwasserhahn sucht man im Bad vergeblich. Kein Problem am Abend, aber nach einer kühleren Nacht am Morgen gereicht das zur erquickenden Ganzkörper-Kneippkur.

Na dann, ab mit dem Gepäck ins Zimmer und kurz geduscht, um 20:00 Uhr ist schliesslich schon IDC Kursbesprechung und erstes Kennenlernen des Teams. Und tatsächlich - an der Rezeption sitzt um acht Uhr ein bunter Haufen und lauscht schon Thomas' Ausführungen. Logistik, grober Kursablauf, Fragen und Antworten - das übliche. Also bequem in ein Sofa gepflanzt und die Ohren gespitzt. Michael vom letzten Jahr ist auch als Staff mit von der Partie. Das wird sicher ein Spass! Nach 30 Minuten ist alles klar. Was jetzt? Wie wär's mit einer Runde im Easy Rider zum Kennenlernen? Bei guter Livemusik und einer Runde Drinks kommen sich die Leute schnell näher. "Aber macht nicht zu lange, die nächsten Tage werden heftig!" Ich verroll mich zeitig übermüdet und geschafft von der langen Anreise über Bangkok.


Taucher - nein, danke!

Am nächsten Morgen geht's ab in die Tauchschule Sea Fun Divers im 'Le Meridien Phuket Beach'. Dort wird der Unterricht stattfinden. Gute Infrastruktur, grosser Pool und die direkte Lage am Sandstrand sind ideal für die Ausbildung. Einzig nerviger Punkt ist die Hotelleitung, die anscheinend die Taucher am liebsten in einen Container sperren würde. -- Bloss kein Tauchzeug ausserhalb der unsichtbaren Grenzen der Tauchschule für ein paar Stunden zum Trocknen liegen lassen.

Es geht los. Erst mal PADI Papierkrieg für die Staffs, um den Kurs und die Teilnehmer ordentlich dokumentiert zu bekommen. Schier endlos scheint die Zahl der Wiederholungen von "Name, Adresse, Kreditkarteninfo, Padinummer" auf allen PADI Formularen. Es scheint völlig unverständlich, warum PADI das noch nicht vereinfacht hat. Naja, stundenlanges Geschreibsel. Thomas legt schon mal mit den ersten Tests und Lektionen los und verteilt die Lehrproben an die IDC Kandidaten und Staffs. -- Was, diesmal kein EE-Washout Theorievortrag dabei? Schade!


Reichlich Stoff

Über die ersten drei Tage nimmt die Spannung im Team zu. Es ist viel zu verarbeiten. Neben dem Fachwissen in Physik, Physiologie, RDP, Tauchumgebung, Tauchausrüstung und PADI Standards lernen die IDC Kandidaten auch die 'Äpfel' bei Theorie- und Praxislehrproben einzusammeln. Am dritten Abend wird die Luft dick. Unter Tags laufen die Kurseinheiten und am Abend wird bis spät in die Nacht individuell oder in der Gruppe gelernt. Das fordert Nerven und geht an die Substanz.

Der eine macht sich schon mal Luft, indem er im Lucky Guesthouse die zweite Klientelgruppe in der Nacht nachdrücklich zur Nachtruhe auffordert, wenn diese wieder mal zu heftig mit den Barflys zu Gange ist. Andere sind schon so vorbereitet, dass es sie stresst, weil sie den Stoff zum x-ten mal wiederholen.

Da tut eine Pause am vierten Abend gut. Ab in die Musikbar ums Eck und einen entspannten, lernfreien Abend verbracht. Am nächsten Morgen geht der Stoff und die Praxisübungen schon wieder viel besser rein.


"Alles was ich sage, ist die Wahrheit"

Thomas gibt im gesamten Kurs Tipps zur Prüfungsvorbereitung und untermauert diese mit konkreten Bespielen aus der Praxis. - Was mache ich nochmal, wenn ich einen Taucher habe, der die Risiko-Erklärung unterschreiben soll, diese aber nicht in einer für ihn verständlichen Sprache vorliegt? Wie kombiniere ich die Kurse optimal, um für den Kunden schnellstmögliches Vorwärtskommen und für die Basis einen guten Return of Investment zu bekommen? Diese Tipps bekommen die Kursteilnehmer neben dem Stoff vermittelt. "Alles was ich sage, ist die Wahrheit", meint Thomas und schon rezitiert der wieder ein paar Anekdoten aus seinem reichen Fundus and Geschichten aus der Tauchindustrie. Bei manchen schüttelt man ungläubig den Kopf, bei manchen muss man herzhaft lachen.

Die Staffs werden komplett in den Kurs eingebunden. Praxislehrproben halten, Theorievorträge präsentieren, Papierkram, Logistik und Kursorganisation mitgestalten. So nah kommt man als Staff selten an die Course Director Praxis.


Unsichtbare Kommunikation

Das Team spiel sich langsam ein. Die Abläufe unter Wasser werden glatter und wirken mehr und mehr wie aus einem Guss. Auch die Theorie-vorträge werden runder, obwohl diese neben dem Theoriestoff wohl die grösste Hürde für ein paar Kandidaten sind. Doch auch diese Nervosität legt sich. Und wenn im Vortrag "Elvira am Sharkpoint tauchen  war...", dann klingen die Geschichten zunehmend aus dem Leben gegriffen.


"Kata wird brennen"

So läuft die Vorbereitung weiter. Die Staffs bekommen von Thomas die Anweisung, sich mehr Freizeit zu gönnen. Aber irgendwie schaffen es die Kandidaten uns dann trotzdem "nur kurz so gegen 21:00 Uhr für drei Stunden" für diverse Nacht-sessions in Beschlag zu nehmen. Eines ist der Kurs mit Sicherheit nicht: Urlaub. Als besondere Motivation drohen die Kandidaten den Staffs, sie an gewissen Körperteilen am Deckenventilator eines Restaurants aufzuhängen, wenn auch nur einer bei der Prüfung durchfällt. Das wirkt. "Selbstverständlich sind wir rund um die Uhr für Euch da!" Wer sagte da nochmal was von Freizeit? Aber eines steht auch fest: Wenn alle die Prüfung schaffen wird eine Party gefeiert, dass Kata brennt.


Einer fehlt

Am Vorabend der Instructor Examination (IE) herrscht gespannte Ruhe. Morgen Nachmittag geht es los. Die Kisten mit dem Tauchzeug sind vorbereitet. Das Instructor Manual ist präpariert. Freitag Vormittags, dem ersten Prüfungstag, wird die Spannung fast greifbar. Es gibt noch kurz Unruhe weil ein Kandidat nicht zum vereinbarten Treffpunkt gekommen ist. Er wird auch nicht mehr zur Prüfung kommen. Wir beschliessen der Truppe noch nichts zu sagen. Dann wird es im Bus zur Prüfung ruhig. Im Prüfungshotel das übliche Prozedere - Foto, Einschreiben, Formulare, PADI Marketing Präsentation, dann noch eine kurze Zigarettenpause und dann geht es los für die Kandidaten. Jetzt sind sie dran.


Wir Staffs verrollen uns für die nächsten drei Stunden an die Deko-bar an der Kata Beach auf Null Meter. Dort sinnieren wir bei Cocktails und einem traumhaften Meerblick über die morgigen Pool- und Theorieprüfungen. Dann wird es spannend. Haben es alle geschafft? Flugs rauf vor den Prüfungsraum bevor die ersten Kandidaten fertig sind. Nach der Reihe kommen sie heraus. Alle erleichtert diesen Teil hinter sich zu haben. Alle aber schon fokusiert auf die nächsten zwei Prüfungstage. Der Abend wird wieder lang. Letzte Tipps für die Praxis im Pool und die Theorievorträge. Welchen Kontakt nehme ich? Wie war nochmal die Reihenfolge beim 5 Punkte Aufstieg? Was sind die häufigsten Fehler bei Oberflächenübungen?


Der Abschluss

Alle Praxis-Prüfungen und Theorielehrproben laufen glatt. Einige knapp, andere souverän - aber alle kommen im Praxisteil durch. Glück für die Staffs, die ihre Körperteile behalten dürfen. Gruss nochmal an den Deckenventilator im Restaurant Blue Sky an dieser Stelle. Grosse Erleichterung macht sich im Team breit.

Es wird geraucht und geschnattert. Dann ruft Thomas nochmal alle zusammen. Bernd, der Kollege, der nicht mit zur Prüfung gekommen ist, verstarb Donnerstag Nacht an Herzinfarkt. Das Ausbildner-team hielt diese Info bis nach der Prüfung zurück. Die Kandidaten sind geschockt. Erst langsam macht sich das Verständnis breit, dass das Leben weiter gehen wird und Bernd sicher gewollt hätte, dass das Team den Erfolg feiert. Als am Abend Kata bei der Party brennt, geht die erste Runde in Gedenken an Bernd.

Morgen und übermorgen finden noch die Tauchgänge für die MSDT Kurse statt, aber das ist heute egal. Heute leben wir. Heute feiern wir. Alle gemeinsam.


In memoriam Bernd Hoffmann.
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