Tauchen in der Traun und am Traunfall
Wilde Wasser
Tauchen, klar. Aber wo? Süss-see-moder gab's in letzter Zeit genug. Jetzt muss mal etwas Abwechslung her. Mit ein paar Freunden beratschlagt und das Abenteuer ist schnell gefunden. "Wildwasser-Scuben" und Flusstauchen an der Traun. Oberhalb und unterhalb des Traunfalls versprechen einschlägige Taucherzeitschriften und Web-Seiten ein vielversprechendes Erlebnis.
Kurz recherchiert und mal bei der örlichen Tauchbasis "Atlantis" angerufen. Basisleiter Franz, der 'Traunmeister', wie er von der Gruppe getauft wurde, empfiehlt fürs Wochenende vorzubuchen. Eine Anzahlung will er auch haben, da die Anzahl der Taucher an der Tauchbasis auf 40 Personen limitiert ist. Gebucht.
Am Steckerlfisch links
Die Anreise von Deutschland ist denkbar einfach. Von Salzburg auf der A1 Richtung Wien bis Ausfahrt Steyrermühl. Am Ende der Ausfahrt rechts Richtung Traunfall. Nach ca. 2-3km Fahrt durch ein Wäldchen kommt rechterhand ein Steckerlfisch-Lokal. Dort geht's links ab Richtung Traunfall und Viecht. In der zweiten Kurve weist linker Hand schon ein Wegweiser den Weg zur Tauchbasis.
Wir haben Glück. Ausser uns ist nur ein grosser Bus Steirer da, und damit eine Gruppe mehr als geplant. Der Traunmeister will uns kurzerhand zum Langbath See auf Warteposition schicken. Da das Wetter aber ohnehin nicht besonders ist, verschieben wir das Traunwochenende kurzerhand um einen Tag und verunsichern stattdessen die Therme Geinberg. Die Traun hat nach kräftigen Regenfällen Hochwasser.
Scuben? Scuben!
Am nächsten Tag wird bei der Basis dann eingecheckt. Erster Tag: Scuben! - Das hat nichts mit dem bekannten 'Self-Contained Underwater Breathing Apparatus (SCUBA)' zu tun. Scuben heisst an der Traun: Schnorcheln im Hochgeschwindigkeitstempo. Unsere Gruppe wandert zu Fuss zum Einstieg unterhalb des Traunfalls, neben dem Kraftwerkswehr. Zwei Tauchlehrer und Guides sind mit von der Partie. Einer wird die Gruppe führen, der andere bildet das Schlusslicht.
Das Briefing ist einfach: "Immer meiner Spur folgen; Beine durchgestreckt halten, damit die Knie nirgends aufschlagen, Arme besonders in den Stromschnellen zum Schutz vor dem Kopf halten". Das war's auch schon - los geht's mit den Schnorcheln.
Trauunfall
Erst zieht Dich die Strömung langsam an. Dann wird es immer schneller. Unter Wasser ziehen wechselnde Landschaften aus groben Schotter mit kargem Bewuchs, monströse Felsbrocken und abgeschliffene Gesteinsformationen vorbei. Der Guide vorne ruft "jetzt die Hände vor den Kopf!". Weisse Gischt voraus kündigt die Stromschnellen an. Das Flussbett wird flacher. Das Scuben wird immer schneller. Es schupft und gurgelt, die Steinbrocken fliegen links und rechts vorbei. Zwei Mann aus der Gruppe sind nicht genau auf der Linie des Guides und können auch nichts mehr einziehen, so erwischt sie einer der Steine an einer für Männer besonders unangenehmen Stelle. Aber auch die Stromschnellen werden ohne bleibende Blessuren gemeistert.
Dann wird die Fahrt ruhiger. Ein Schwarm Barben grundelt am Boden - und ist auch schon wieder ausser Sichtweite. Forellen blitzen vereinzelt vorbei. Unser Guide hält aufs Ufer zu. Dort unter den überhängenden Ästen stehen sie oft, die viel gerühmten Hechte der Traun. Andere Fische zieht es ebenso in diese schattigen Buchten.
Dann ist der wilde Ritt auch schon vorbei. Wir kraxeln aus dem Wasser, stapfen an ein paar Tipis vorbei Richtung Schottergrube, wo uns der Kleinbus schon erwartet. "Steigt's alle ein, aber macht's bloss nix nass!" meint der Guide verschmitzt während wir an unserem triefnassem Neopren runterschauen. Nach kurzer Fahrt sind wir auch schon zurück bei der Basis. Kurz nach dem Mittagessen, bei dem sich die Tauchguides und der Traunmeister an dampfendem Essen laben, während die Tauchgäste drumherum meist 'Trockenfutter' einwerfen, sind wir auch schon wieder bereit für die zweite Runde Scuben. Am späten Nachmittag erklärt uns Franz, der Traunmeister, noch das Programm für morgen:
"Und morg'n doa daoucht's donn wia de Deppad'n!"
Am nächsten Tag in der Früh trudeln wir gegen zehn Uhr wieder beim Traunmeister ein. Kurzes Briefing zum Tauchplatz an der Tauchbasis stellt die Tauchrunde dar: Ins Wasser, abtauchen zur Insel, Insel an rechter Schulter, zwischen Felsblöcken durch, in Höhlen reinschauen, gegen die Strömung bis zum 'oberen' Rand der Insel; dort in den Nebenarm der Traun hineintauchen, überflutete Häuschen, Waschzuber und eine Unterwasserquelle besichtigen, dann zur KUsshöhle und danach austauchen retour zum Einstieg.
Klingt einfacht. Ist es auch. Auf der Runde beeindrucken die Felsformationen, die stellenweise über und über mit kleinen Muscheln bedeckt sind. Mystisches grünliches Licht reicht bis in die mehr als zehn Meter Wassertiefe. Allerhand Treibgut und Müll hat sich an den strömungsreichsten Stellen um die Felsen verkeilt. Immer wieder trifft man auf Barsche und Forellen, die sich interessiert dem Taucher nähern. Der erste Tauchgang ist schnell zu Ende und die Gruppe schleppt sich mit dem ganzen Equipment den schmalen Fussweg zur Basis zurück. Mit dem ganzen Kaltwasser-Equipment auf dem Buckel wünscht man sich schnell an eine der tropischen Basen mit selbstverständlichem Flaschen-Schlepp-Dienst zurück.
Wieder an der Basis werden die Flaschen neu gefüllt. "Donoch ois in den woass'n Bus", meint Franz und deutet auf den weissen Minibus der Basis. Nach einer knappen Stunde Mittagspause sind wir wieder voll aufgerödelt. Der Traunmeister fährt mit uns traunaufwärts. Nach ein paar Minuten biegt er in einen Waldweg ein. Über Stock und Stein geht es durch den Wald. Plötzlich hält er an. Kein Fluss zu sehen. Sind wir da? "Oachzig Meta do owi, dem Wanderweg foig'n, dann bei da Futtakripp'n eini in Fluss." - Das Briefing umreisst kurz aber mit allen wichtigen Details die 'Flugroute':
Flussabwärts gesehen zuerst am rechten Ufer entlang, über drei alte Wehranlagen hinweg, dann noch auf gekreuzte Bäume achten, danach den Fluss queren, damit wir den Einlass zum Nebenarm sicher erreichen. Der Hauptarm führt direkt aufs Wehr und das Kraftwerk zu.
"Schmeiss die Kamera weg"
Wir haben Hochwasser, wie sieht's mit dem Notfallplan aus, falls wir den Einlass zum Nebenarm verpassen und von der Strömung Richtung Wehr getrieben werden? Die lustige Antwort vom Traunmeister macht uns Mut: "Donn schmeiss Dei Kamera weg, damit I die späta rausdauch'n konn....". Nochmal nachgefragt, ob wir im Notfall besser rechts oder links zum Ufer schwimmen sollten und ob es tatsächlich keinen Notfallplan gibt: "Do müsst' jo imma oana unt'n am Fluss stehn." - So wie's aussieht heisst die Devise für diesen Tauchgang tatsächlich: bloss nicht den Eingang zum Nebenarm zu übersehen.
Der Tauchgang führt über massive, jahrhunderte alte Wehranlagen, die früher für die Salzschifffahrt auf der Traun notwendig waren. Heute liegen die Wehranlagen in ca. vier Meter Wassertiefe. Es sind beeindruckende Konstruktionen aus Holz und grösseren Steinen. Im Uferbereich halten wir Ausschau nach Hechten und anderen Fischen. Rechtzeitig wechseln wir zur anderen Flussufer. Nach ein paar hundert Metern erreichen wir den oberen Einlass zum Nebenarm. Geschafft! Die Kamera dürfen wir also behalten. Gemütlich ausgetaucht und dann Schleppen wir zum Abschluss nochmal das Equipment bergauf zur Basis.
Fazit
Ein einmaliger Tauchplatz, der besonders nach einigen Tagen Schönwetter im Herbst verspricht ein Top-Tauchplatz zu sein. Leider ist das Wetter im Salzkammergut mit seiner Nordwest-Staulage bekannt für viel Regen. Dann ist die Traun trüb wie alle Gewässer in der Gegend. Abwechslungsreiche Erlebnisse durch die Kombination von Scuben und Flusstauchen bieten jede Menge Spass. Die gute Organisation in kleinen Gruppen und gute Infrastruktur der Tauchbasis tun ein übriges um das Tauchen an der Traun zu einem Erlebnis zu machen. Wer allerdings konditionell nicht auf der vollen Höhe ist, der sei gewarnt: Anspruchsvolles Strömungstauchen und Scuben im Kaltwasser in Verbindung mit bergauf Flaschen- und Ausrüstungsschleppen fordert den Körper.
Tipps
Reservierung in der Hochsaison dringend empfohlen
5mm Nass bis 7mm Halbtrocken jeweils mit Kopfhaube gehen gut im Sommer und Herbst
Verpflegung mitnehmen oder im Gasthof gegenüber essen gehen
(Stand 2007)