


Test - Suunto D9 Tauchcomputer
Der Suunto D9 ist ein luftintegrierter Tauchcomputer, der optional den Flaschendruck per Funk überträgt. Über die PC Schnittstelle - wahlweise USB oder seriell - werden Tauchdaten an das von Suunto frei zur Verfügung gestellte Programm "Suunto Dive Manager" übertragen.
Montage
Der optionale Funksender wird statt oder zusätzlich zum Finimeter in einen Hochdruckabgang der ersten Stufe geschraubt. Da der Sender relativ "dick" ist, kann es zu Gefummel und Engpässen mit den anderen Anschlüssen kommen, die auch ihr Recht an der ersten Stufe geltend machen wollen. Zweite Stufe, Inflator, und Oktopus wollen schliesslich auch durchatmen.
Der D9 wird einfach mit dem vormontierten Kautschukband ans Handgelenk geschnallt. Das Standard-Uhrband ist direkt am D9 verschraubt und kann daher nicht einfach durch ein anderes Band, beispielsweise ein Textilband, ersetzt werden. Beim Vorgängermodell dem Suunto "Stinger" war dies noch problemlos möglich.
Hübsch im Design, bringt diese Bandkonstruktion einige Nachteile gegenüber einem schnöden Textilband mit sich: Kautschuk wird mit der Zeit spröde und kann brechen. Dies geschieht - ärgerlich genug - normalerweise beim An- oder Ablegen oder schlimmsten Falls über der Lieblingssteilwand, an der das teure Gerät dann nach unten saust. Eine weitere Herausforderung kann die Länge des Gummibands werden, das bei einem 7mm-Halbtrocki mit Handschuhen schon knapp an oder über seine Grenzen stösst. Da hilft nur anflanschen des mitgelieferten Verlängerungsstücks, das übrigens ebenso wie die kleine "Fangschlaufe" zum fixieren des überstehenden Gummi-Endes, ein prädenstiniertes Verlierteil ist.
Was auch immer Suunto geritten haben mag - die nächste Version wird sicher wieder eine "Uhrband-Norm-Schnittstelle" haben, wenn erst genug D9's verloren gegangen sein werden.
Funktionalität
Der Suunto D9 bringt neben den üblichen Merkmalen eines Tauchcomputers ein paar Funktionen mit, die so das erste Mal in einem Tauchcomputer zu sehen waren: Integrierter Kompass, Gasgemisch-Umschaltung unter Wasser und die schlauchlose Luftintegration per Funk.
Suunto D9 Kompass
Besonders die integrierte Kompassfunktion propagiert Suunto als Highlight. Ein zugegeben nettes und brauchbares Feature um mal schnell einen Kurs anzulegen. Wenn der ägyptische Guide am Tauchschinakel am Roten Meer verlauten lässt "Felsnadel auf 230° in 50m", ist der D9 ideal.
Wenn man allerdings in trüben heimischen Gewässern einen Navigationstauchgang plant: Vergiss die Kompassfunktion des D9, Suunto produziert auch brauchbare Kompasse! Warum? Erstens ist der D9-Kompass bei weitem nicht so gut abzulesen wie ein traditioneller Kompass. Zweitens ist die Einstellung einer Peilung mit einem traditionellen Kompass einfacher als mit dem D9. Schliesslich fehlen logischerweise während der Anzeige des D9-Kompasses alle anderen vitalen Tauchinformationen auf dem Display - und das per Voreinstellung für 1 volle Minute. In einer Minute kann man in einem trüben Gewässer ungewollt viel "Höhe" gewinnen! Für manche Taucher kann das fast schon ein Sicherheitsrisiko sein.
Suunto D9 schlauchlose Luftintegration "Funk-Finimeter"
Damit sich der D9 mit seinem Sender an der ersten Stufe unterhalten kann, muss er mit dem Sender "gepaart" werden. Da gemäß den Suunto-Ingenieuren Paarungs-Rituale den meisten Leuten Spass bereiten dürften, muss oft gepaart werden: immer wenn der gemessene (Flaschen-) Druck unter 10 bar fällt oder wenn 2 Stunden keine Druckänderung eintritt. Immer, immer und immer wieder. Damit kein anderer D9 bei der Paarung "lauschen" kann, wird die Sendeleistung vor und während der Paarung auf ein Minimum reduziert. Minimum heisst konkret: Am besten den D9 direkt an den Sender während der Paarung halten.
Auch hier liegt der Teufel wieder im Detail. Kennen wir es nicht alle: Auf dem Tauchboot wird der erste Tauchgang beendet und sogleich die Flaschen für den Nachmittagstauchgang aufgerödelt. Schnell noch den Druck der neuen Flasche gecheckt. Bei 223 bar ein verschmitztes Grinsen, das Flaschenfüllglück liegt heute bei Dir. Danach Mittagessen und Sonnebaden. Nächster Tauchgang 14:30 Uhr - alle fertig? Klar! Du stehst am Absprung, helfende Hände schrauben das Flaschenventil auf. Platsch! -- War da nicht noch was? - Scheibe! Den D9 zu paaren vergessen! Verrenkungen nach hinten helfen nix. An der welligen Oberfläche nach Luft japsend fragst Du Deinen Buddy, ob er Dir die Flasche abdreht, damit Du Dich neu paaren kannst. Wieder nix. Die Crew fragt schon von Bord nach, ob es Dir gut geht. Fluch - nein - ich muss mich doch erst paaren! Nach einigen Verrenkungen erinnerst Du Dich - da gab es doch noch die "HP Code reset" Funktion oder so ähnlich... Damit kannst Du den D9 zur Paarung zwingen. JA! JAAA! Oh JAAAHHH! Das war der Erfolg der Reset-Stellung. Wenn alle Paarungen so ablaufen, sehe ich schwarz für die zukünftige D9 Generation!
Da der Paarungscode zweistellig ist, muss die Paarung immer und immer wieder erfolgen. Die Paarung von Sender und Empfänger hätte man auch eleganter und robuster z.B. über Paarung der Seriennummer von Empfänger und Sender(n) erreichen können - als dauerhafte polygame Heirat so zu sagen, bis wieder manuell geschieden wird. Hier bieten andere Anbieter komfortablere Möglichkeiten.
Eine weitere Unregelmässigkeit trat bei einem tieferen Tauchgang in Salzwasser auf. Beim ausgiebigen, mehr als 20-minütigem Sicherheitsstop auf ca. 5 Metern lieferte der Sender nur noch fehlerhafte Daten. Bei einem tatsächlichen Restdruck von 80bar schwankte der angezeigte Restdruck zwischen 120 und 15 bar, was den D9 zu einem Piepkonzert veranlasste, was den Tauchpartner natürlich irritierte, da ich nach den Anzeigen schon am absemmeln war. Diese Unregelmässigkeit trat allerdings nur einmal auf.
Suunto D9 für Instruktoren
Ein grösseres Manko ergibt sich für Instruktoren, die unter Wasser Zeitvorgaben einhalten oder überprüfen müssen z.B. wenn eine bestimmte Übung exakt 30 Sekunden vom Schüler durchgeführt werden soll. Sobald der D9 im Unterwasser-Modus ist, lässt er leider keine Umschaltung auf Zeit(nahme) zu. Damit muss ein Instruktor immer noch ein zusätzliches Zeitinstrument mitführen.
Suunto Dive Manager - Verbindung mit dem PC
Die Verbindung mit dem PC klappt auf Standard-Windows-PCS gut. Sollte man aber ein Progrämmchen installiert haben, dass die USB Ports mitüberwacht wie z.B. die Nokia PC Suite, kann die Verbindung möglicherweise nicht auf Anhieb klappen. In diesem Fall einfach *nach* dem Anschluss des D9 an die USB-Schnittstelle das Nokia "Connection Properties"-Programm (mRouter) öffnen und die Überwachung des USB-Ports deaktivieren. Erst dann aus dem Suunto Dive Manager die Synchronisierung mit dem D9 starten.
Die Tauchdaten werden im Dive Manager übersichtlich dargestellt. Besonders gelungen ist die Verbindung von Tiefenprofil, virtuellem Tauchcomputer und Anzeige des Kompartiment-Sättigungsmodells. - Klickt man mit dem Cursor durch das Tiefenprofil, ändern sich alle anderen Anzeigen entsprechend.
Hilfreich wären allerdings eine bessere Export-Funktionalität um z.b. ein "Logbuch" (nicht ein einzelnes Profil) zu exportieren, und die Möglichkeit manuell einzelne Tauchgänge an beliebiger Stelle im Log eintragen zu können. Taucht man nur mit Suuntos und synchronisiert alle Tauchgänge ist das kein Problem. Will man allerdings alte "prä-Suunto" Logbucheinträge in den Dive Manager eintragen, merkt man schnell, wo bei diesem Manager die Grenzen des Managements liegen.
Fazit
Der D9 besticht durch Design, bewährte Suunto-RGBM Dekomodelle, hohe Integration und einen sehr guten Tragekomfort - auch als Uhr an der Taucherbar. Ein wirklicher Tiefschlag ist nur das eigenwillige Paarungsverhalten der "schlauchlosen Druckintegration" wie Suunto es nennt. Hier ist die Möglichkeit einer dauerhaften "Heirat" z.B. über Seriennummern ein dringend angeratenes Feature für die Nachfolgegeneration des D9. Schön wäre die Option ein längeres Textil-Uhrband statt dem bruchanfälligem Gummiuhrband verwenden zu können. Der Batteriewechsel nur durch den Fachhandel dürfte bei einem Gerät dieser Preisklasse nur gering ins Gewicht fallen, zumal der D9 dabei auch gleich durchgecheckt wird. Im Unterwasser-Modus fehlt die Möglichkeit auf Zeitnahme umzuschalten.
Die Suunto Dive Manager Software (V 2.3) besticht durch interessante graphische Features bei der Tauchgangsdarstellung, hat aber massive Schwächen beim Export und manuellen Hinzufügen von Tauchgängen.






