Coi Prachsternschnecke
Flankenkiemer
Coi Prachsternschnecke
Tauchen im Bituon Beach Resort auf Bohol, Philippinen
[9°45'00 N, 124°34'11 O]

Man sieht sie hin und wieder, diese kleinen Anzeigen in einschlägigen Tauchmagazinen. 10° über dem Äquator... steht da. Ein Familien-resort und Paradies soll es sein. Schnell mal auf die angegebene Web-Site gehen, um weitere Infos einzuholen. Das klingt schon mal gut! Aber wie komme ich dort hin? Neckermann, TUI, Meyer's,...? Fehlanzeige! Direkt über die Web-Seite bei Markus Hohmann, dem Besitzer und General Manager des Bituon Beach Resorts wie sich später herausstellt, wird gebucht.  Was dann folgte war einer der (ent)spannendsten und lohnendsten Tauchurlaube seit langem.

Philippinische Piraten

Sollen wir oder sollen wir nicht? - Die Web-Site wird selbstverständlich dem Tauchpartner der Wahl zwecks gemeinsamer Planung gemailt. Klingt gut, oder? Ob das wirklich so ist? Wie bucht man das? Koennen wir das über irgendeinen grossen Reiseanbieter buchen? Nein. Dubios! -- Ob uns da philippinische Piraten in ein geschickt gesponnenen Netz lotsen wollen? Hmm. Hmmmm.

Nachdem die ersten Bedenken ausgeräumt sind, wird die Anfrage gestartet. Nach ein paar Tagen kommt eine mail von einem 'Markus Hohmann' - zwar mit einigen Tippfehlern aber zumindest mit allen relevanten Buchungs-Details. Da sind doch noch ein paar Fragen offen. Flugs bei Herrn Hohmann angerufen. Geduldig erklärt er die Optionen, Stop-over und Hotel-tipps in Singapur und Hong Kong, Tauchpakete, Ablauf etc., etc. Nachdem ihm wahrscheinlich das Ohr abgefallen ist und in seinem Bauch das sprichwörtliche Loch klaffte, das durch die Fragen entstanden ist, wird gebucht.

Nach einiger Zeit treffen die Reiseunterlagen von zwei Seiten ein. Die Flüge werden nach unseren Wunschrouten automatisch über das renomierte Reisebüro Kirschner von Markus mitgebucht. Das Hotel und die Tauchpakete bestätigt Markus direkt. Zusätzlich liegt ein Info-paket bei, das wirklich alles enthält, woran wir nicht mal mehr gedacht haben. Sogar der 'Notfallplan', falls der Flug Verspätung hat oder Gepäck verloren geht, ist dokumentiert.

Ich bin Eden

Die Anreise via Hong Kong oder einem anderen Hub erfordert einiges an Sitzfleisch. Kommt man Flugsessel-gequetscht und übermüdet in Cebu an, beginnt wieder ein spannender Reiseabschnitt. Mit kleinen bunten Fischleins als Erkennungsmarke verläßt man das Flughafengebäude des Mactan International Airports. Schwüle tropische Luft schlägt einem entgegen. Suchende Blicke schweifen umher. Kommen wir jetzt in die Fänge der philippinischen Piraten? Da trippelt auch schon eine einheimische Dame mit breitem Lächeln auf uns zu. "Hallo! Ich bin Eden.", sagt sie in akzentfreiem Deutsch, "Willkommen auf den Philippinen". Noch kurz zusammengewartet bis die paar anderen Gäste aus dem Gebäude kommen. Ab dann heisst es nur noch: Entspann Dich!

Das Gepäck wird Dir abgenommen. Es geht ab mit einem klimatisierten Kleinbus durch das quirlige Cebu. Am Fenster ziehen moderne Shoppingcenter und Bürogebäude, schäbige Geschäftsstrassen und lebendige Industrie- und Handelsanlagen vorbei. Eden macht dem Fahrer Druck. Sie will noch die nächste Fähre nach Bohol erwischen. Kaum am Hafen angekommen, springt sie aus dem Wagen. Kurz entschuldigend nickt sie uns zu, sie muss noch die Fähre aufhalten. Das Gepäck wird von helfenden Händen bis auf die Fähre gebracht. Sie hat es tatsächlich geschafft. Zehn Minuten nach planmässiger Abfahrt läuft das Schiff mit uns an Bord nach Bohol aus. Etwa eineinhalb Stunden dauert die Fahrt nach Tagbilaran, dem grössten Hafen auf Bohol. Von dort geht es weiter im klimatisieren Kleinbus einmal quer über die Insel in die Nähe von  Guindulman "Gundeldorf" ins Resort.

Die Fahrt erinnert ein wenig an die 'Camel Trophy'. Die Uferstrasse wird gerade erneuert. Auf Philippinisch heisst das: Erst mal wegreissen und warten. Wir kommen also doch in die Hände von philippinischen Piraten! Nach mehr als zwei Stunden Fahrt biegt der Wagen auf einer Strasse, die den Namen nach deutschen Standards nicht verdient, rechts ab. Es sieht im erstem Moment aus wie ein kleiner Torbogen, hinter dem ein Dschungel beginnt. Doch halt! Da hängt ein PADI-Resort Schild. Wir sind tatsächlich angekommen. Nach mehr als 30 Stunden Gesamtreisezeit.

Es werden Getränke gereicht, Bungalows eingeteilt. Ralf, der Tauchbasis-Leiter ist auch da. "Tauchbriefing machen wir morgen früh. Schlaft Euch erst mal aus!" Wann? "Wenn ihr wach seid. Ich bin immer da." Dann geht es ab in die Bungalows. Endlich schlafen!


Warmwasserduscher

Am nächsten Morgen werden die Augen noch etwas verschlafen gerieben. Mal kurz den Bungalow erforschen von denen es in Summe elf im ganzen Resort gibt, gestern war es ja schon reichlich spät dafür. Einzig die Taucherlampen haben wir gestern noch zum Laden ans Netz gehängt - ohne Adapter, da im Bungalow deutsche Normsteckdosen installiert sind. Der Bungalow besteht aus einem grossen Raum in dem Dusche und WC geschickt durch eine massive Wand abgestrennt sind. Es gibt keine Klimaanlage, keine Minibar, keinen Fernseher und für einen richtig entspannenden Urlaub dankenswerterweise auch kein Telefon. Alles ist offen und luftig, und mit Moskitonetzen bewehrt. Und das ist gut so! Mücken gibt es hier, wie praktisch überall in den Tropen, reichlich. Also ab unter die Dusche! Prust! Schnauf! Das ist aber kalt! Gibt's hier kein warmes Wasser? Stimmt da stand doch was auf den Web-Seiten des Resorts. Nichts für Warmwasserduscher!

Dermassen erfrischt öffnet man die Tür der Bungalows und bleibt kurz stehen. Der Ausblick ist phantastisch! Erhaben über der steil abfallenden Felsküste blickt man aus seinem tropischen Habitat über die weite Bucht von Guindulman. Blauer Himmel, blitzendes Meer und die Düfte der tropischen Vegetation erfassen alle Sinne. Das macht richtig Laune zum Frühstücken.

So schlendert man dem schmalen Fussweg entlang, der sich durch die gartengleiche Resortanlage schlängelt und an dem sich die Bungalows in ausreichendem Abstand wie bunte Korallenperlen an einer Schnur reihen. Ganz vorne liegt das Restauraunt und wenige Meter daneben die Tauchschule mit Equipment-bereich.

Der Duft von Kaffee und Pfannkuchen dringt in die Nase. "Hello! Welcome to Bituon! -- Kaffee? Pancake? Eggs? Spiegelei? Schinken?" Mit einer bunten Mischung aus Deutsch und Englisch schwirren die Mädels um Dich herum immer lächelnd immer zu einem Spässchen aufgelegt. Eden ist auch schon wieder da "Sagt mal, was esst ihr denn gerne? -- Fisch und Hähnchen? Fleisch muss nicht sein? Oder ganz vegetarisch? - Ok, kein Problem. Viel Spass beim Tauchen heute. Wann Frühstuckzeit ist? Normalerweise 8 bis 10, Abendessen so gegen halb acht. Aber wenn ihr einen speziellen Wunsch habt oder einen Morgen- oder Abendtauchgang macht, auch kein Problem. Entspannt Euch!"


Die Basis des Tauchens

"Guten Morgen! Na, schon fit?", begrüsst uns Ralf, der Basis-Leiter auf der Terrasse des Restaurants. "Ja klar *augenreib*! Wann geht's mit dem Check-dive los?" Erst noch die Formalitäten erledigen, ärztliches Attest, Logbuch, Brevet, Ausrüstung. Danach gibt's ein Briefing über die Basis, Tauchplätze, Abläufe und Richtilinen. Alles ok! "Wir können den check-dive am späten Vormittag oder Nachmittag machen, wie ihr wollt." - Was für eine Frage!! Natürlich am liebsten sofort. Lächelnd winkt Ralf ab. Er kennt die übermüdeten Fluggestalten. "Werdet erst mal richtig wach. Sagen wir 11 Uhr zum Anrödeln?"

Um elf traben wir mit dem Equipment an der Basis ein. Für die Tauchanzüge bekommt jeder Gast einen eigenen 'Bereich' mit Bügeln zum Trocknen, Halterungen für Flossen und Füsslinge zugeteilt. Ein Meter daneben stehen die vollen Flaschen bereit. Spülbecken mit Süsswasser und zwei Duschen sowie ein einfaches WC sind auch nur drei Meter entfernt. Alles einfach, zweckmässig und kompakt.

"Den Checkdive machen wir am Hausriff.", sprach's und hat schon Anzug und Tauchgerät fertig, während wir gerade die erste Stufe an die DIN Anschlüsse der 10 Liter Aluflaschen schrauben, mit der hier standarmässig getaucht wird. "Wir haben hier Glück. Die meisten unserer Tauchplätze bieten schon in geringer Tiefe alles was das Herz begehrt.", meint Ralf, "die meisten Leute kommen mit der Flasche so um die 70-80 Minuten aus." Echt? -- Das muss klingt doch zu schön, um wahr zu sein! Mit meinem Luftverbrauch zieh ich die Flasche bestimmt nach 45 Minuten leer.

Schon geht es über eine abenteuerliche Stahlbeton-Stiege über die steile Felsküste hinunter an den winzigen Sandstrand. Tauchgerät schleppen? Fehlanzeige! Für ein kleines Entgelt schleppen einheimische Jungs die Flaschen hinunter und wieder rauf. Ein dringend anzuratender ausgezeichneter Service! Das Blei bleibt in einem kleinen Hüttchen am Strand.

El Dorado

Ab geht es ins 27 Grad warme Wasser. Auf 2-3 Meter Tiefe tauchen wir vom Ufer weg über den flachen Uferbereich Richtung Riffdach in ca. 200m Entfernung. Unterwegs sieht man schon Hornhechte, allerlei Kleinfisch und Schnecken. Dann kurz vor dem Riffdach nach links in eine ca. 4 Meter tiefe Sandkule getaucht. Das sieht aus wie ein Schwimmbecken mit Natur-Riffwänden und Sandboden! In diesem 'Pool' laufen die Checks wie geschmiert. Maske ausblasen, Pivoting, Atemregler wiedererlangen, alles kein Problem!

Ok, signalisiert Ralf, tauchen wir über das Riffdach und gehen wie im Briefing besprochen mal runter auf 16 bis 20 Meter und steigen danach langsam der Riffwand entlang auf mit der linken Schulter am Riff. Bei 100 bar drehen wir um und tauchen über dem Riffdach in 6 bis 3 Meter aus. Sicherheitsstop nicht vergessen.

Taucht man über das Riffdach weg, gewinnt man einen Einblick in die Mannigfaltigkeit der heimischen Fauna und Flora. Es ist in der Tat ein Dorado für Makro-Freunde. Anemonen, Korallen, Schnecken, Garnelen, Fische in vielen Variationen. Alles wuselt, schneckt, fischt vor sich hin. Über der Riffkante öffnet sich der Blick nach unten, wo in etwa 20 Metern Tiefe der Sandboden weiter abfällt. Unzählige Schwämme und noch mehr Leben in der Wand. Wir sind schwer beeindruckt. Einzig die Sichtweite unter Wasser könnte besser sein - bei ca. 15 Metern ist Schluss wegen der Schwebeteilchen, die bei Regen in die Bucht gespült werden. Aber was soll's! Wir sind hier für Kleintier, nicht für Hammerhaie.

Nach einer Stunde acht Minuten Tauchzeit steigen wir mit noch gut 60 bar aus dem Wasser. Checkdive beendet! Ab jetzt könnt ihr tauchen wo und wann ihr wollt. "Tragt Euch einfach in die Tabelle ein", erinnert uns Ralf.

Tauchtabellen

An der Aussenwand des Restaurants hängt zur Seite der Tauchbasis hin die 'Tauchtabelle'. Jeder Gast hat seine Zeile. In die Spalten werden einfach die Tauchwünsche für den Tag eingetragen. "Ihr wollt einen early morning dive morgens um 5? Kein Problem! Tragt das heute Abend in die Tabelle!", meint Ralf ganz locker. So unkompliziert? Na warte, Dich kriegen wir schon: "Und dann möchten wir um 10 Uhr zum Tauchplatz 10, geht sich danach so gegen 14:30 Uhr der Sechser aus und am Abend gegen 21:00 Uhr der Nachttauchgang?", fragen wir heimtückisch. "Wenn Euere Tauchprofile das erlauben, von mir aus kein Problem. Die Flaschen und Boote werden wir Euch herrichten." - Wir sind sprachlos über so viel Flexibilität und streichen als typische Langschläfer flugs den early morning dive. Und der Nachttauchgang - naja, Schwamm drüber!

Heute Nachmittag lassen wir es ruhig angehen. Und fahren zu einem der nahegelegenen Tauchplätze. Nur zwei weitere Taucher aus dem Resort tragen sich zum gleichen Tauchplatz ein. Nachmittags um zwei Uhr treffen wir uns zum Anrödeln. Helfende Hände tragen die fertig montierten Flaschen hinunter an den Strand, wo uns schon der 'Captain' des Zodiaks begrüsst. Zu viert tuckern wir zum nahegelegenen Tauchplatz. Alles Ok? Dann abtauchen! Auch an diesem Tauchplatz sind wir vier die einzigen, die die Makrowelt erkunden -- einfach phantastisch! Nach knapp achtzig Minuten tauchen wir einfach dort wo wir gerade sind auf. Der Captain des Zodiaks hat uns die ganze Zeit im Auge behalten. Kein Zurückpaddeln zum Boot, das ist Komfort!

Herr der Lüfte

Die Tauchbasis ist zweckmässig aufgebaut. Ein paar Bauer Kompressoren werden seit Jahren pfleglich von Edgar, dem "Kompressor-Ingenieur" und damit dem Herren der Lüfte, gewartet. Regelmässige, geloggte Filterwechsel sind genauso selbstverständlich, wie doppelte Prüfung des O2 Anteils der individuellen Nitrox-Mischung. Da der reine Sauerstoff mühsam über Land in grossen Pressluft-Flaschen angekarrt werden muss, ist ein geringer Aufschlag für Nitrox-Mischungen mehr als verständlich. Die Aluflaschen sind gut in Schuss und bieten einheitlich DIN Anschlüsse. Auch das Leih-equipment ist durchwegs auf brauchbarem und vor allem sicheren Stand.


Basisleiter
Ralf Jockel, Tauchbasisleiter des Bituon Beach Resorts, hat schon etliche Jahre Erfahrung und legt grossen Wert auf sicheres und umweltschonendes Tauchen. Da setzt es auch schon mal einen Rüffel, wenn er jemanden mit Handschuhen im Riff erwischt. Ein leidiges Thema sind für ihn die ortsansässigen Fischer. Nicht, weil sie ein paar Fische rausziehen, sondern weil die mit antiquierten Methoden das Riff manchmal stark schädigen. Fischreusen in Form von eineinhalb mal zwei Meter grossen und schweren Bambuskästen werden einfach aufs Riffdach geknallt und mit Seesternen als Köder bestückt.

Um diesem Treiben Einhalt zu gebieten, treibt er verschiedene Umweltschutzprojekte. Ob es dem Riff vorgelagerte Bojen sind, an denen die Fischer ihre Reusen Riff-schonend ablassen können oder die Einrichtung gesperrter Bereiche, Ralf ist immer rührig um den Schutz der Unterwasserwelt, behält aber auch die Interessen der Fischer im Auge.

Die Kurse führt Ralf nach den üblichen Kursstandards durch, ergänzt sie aber immer mit zahlreichen praktischen Tipps, die nicht im Lehrbuch stehen. Auch bei den Anforderungen und Prüfungen ist er nicht zimperlich. Beim Einstiegstest zum Divemaster werden die vorgeschriebenen Schwimm- und Tauchlängen kurzerhand verdoppelt, um Dich auch richtig zu fordern. Und bei Rescue-Szenarien lässt er Dich schon mal die Rettungstrage über den steinigen Klippenrand und kleinen Fussweg schleppen! Derart geschult macht das Perfektionieren des 'Hoovering' unter dem Tauchfloss kein Problem. Insbesonders da sich dort normalerweise zutrauliche Fledermausfische tummeln.


Luft für zwei Stunden

Tage später, nachdem wir einigermassen aklimatisiert sind und uns 'eingetaucht' haben, stellen wir fest, dass Ralf uns nicht zuviel versprochen hat. Tauchgänge unter einer Stunde gibt es gar nicht mehr, beim längsten Tauchgang mit den 10ern Alu kommen wir erst nach zwei Stunden vier Minuten aus dem Wasser. - Grössere Flasche? Nein danke! Schliesslich wollen wir keine Schwimmhäute zwischen den Fingern bekommen und noch einigermassen rechtzeitig zu Kaffee und Kuchen bei Eden auf der Terasse den Ausblick übers Meer geniessen.


Der Jeepney ist da!

Neben den Makro-Tauchwelten bietet Bohol ein paar schöne Spots an Land. Da die Insel gerade erst für den Tourismus erschlossen wird und sich noch keine Massen über die Strassen wälzen, hat man das Glück die noch ursprüngliche Freundlichkeit der Einheimischen Bevölkerung zu erfahren. Anders als in Ländern wie beispielsweise Sri Lanka, wo Dich jeder Händler buchstäblich in seinen Laden und über der Tisch ziehen will, sind die Philippinos wohltuend zurückhalten und dennoch aufgeschlossen und freundlich. Wer an Märkte oder grosse 'Sightseeing-Spots' wie in Europa, Amerika oder den kulturreichen Ländern Asiens erwartet, sollte seine Erwartungen revidieren. Der Wert der Urlaubserfahrung ist auf Bohol das Einfache und Ursprüngliche, nicht die Hochkultur oder Künstliche. Aber gerade das kann dem reizüberfluteten Sinnen des Westeuropäers die Konzentration auf Details und das Wesentliche erlauben.

"Der Jeepney ist da!" ruft Matide und packt noch schnell die Getränkeboxen und Sandwiches für die Tagestour ein, die wir für heute gebucht haben. "Können wir wirlich oben auf dem Dach sitzen während der Fahr?" "Ja, aber nehmt die Sitzkissen aus dem Restauraunt mit. Dort oben schaukelt es ziemlich und das Dach ist hart!" Gesagt, getan! Schon krabbeln wir auf den Jeepney, der aussieht wie eine lustige Mischung aus Land Rover Defender und amerikanischem Schulbus. Da der Jeepney der ganze Stolz des jeweiligen Besitzers ist, wird er entsprechend ausgestattet und verziert. Neben Playboy Motiven - dem Hasen, nicht den Bildern - bis zu jeder Menge Heiligenfiguren und Kruzifixe ist alles installiert was blinkt oder das Mobil 'cooler' ausehen lässt.

Kommt man nach einiger Zeit über die hoppeligen Strassen durch ein Dorf, wird heftig gewunken. Besonders die Kinder machen sich einen Spass daraus den seltsam bleichen oder manchmal geröteten Gestalten, die da auf dem Jeepney schaukeln, lachend zuzuwinken.

So kommt man abenteuerlich und doch bequem zu den 'top-spots' an Land: Die Chocolate Hills, perfekt geformt wie symmetrische Ameisenhügel, haben ihren Namen von ihrer braunen Farbe während der Trockenperiode. Weiter geht's zu den kleinsten Affen der Welt, die in einem geräumigen, begehbaren Gehege gehalten werden. Die grossen Augen dieser nachtaktiven Tiere glupschen tagsüber verschlafen auf die Touristen, die sich durchs Gehege schlängeln. Dann geht es auf eine Flussfahrt flussaufwärts zu kleineren Wasserfällen, denen sich das Boot bis auf wenige Meter nähert. Stromabwärts fahren wir erst and Bambuswäldchen vorbei, schliesslich in die Mangrovenzone und dann in den Hafen. Dort wartet bereits wieder unser bunter Jeepney, um uns sicher bis zum Abend wieder ins Resort zu schaukeln. Leicht schwankend trudeln wir zum Abendessen ein. "Heute noch tauchen?" fragt Ralf scheinheilig.


Stop-over

Viel zu schnell vergeht der Urlaub, dann wird es auch schon wieder Zeit die Koffer zu packen. Bei der Planung und Buchung des Aufenthaltes hat Markus uns geraten noch einen Stop-over in Hong Kong einzulegen. Jetzt müssen wir uns aber erst mal von der gesamten Mannschaft verabschieden, die sich für unsere Abreise vor dem Resort eingefunden hat. Hände werden geschüttelt, Danke gesagt und 'goodbye' gewünscht. Irgendwie hat man das Gefühl ein paar Freunde mehr in diesem noch entlegenen Teil der Welt zu haben.

Und irgendwie beschleicht Dich das Gefühl, dass dies nicht der letzte Urlaub im Bituon Beach Resort gewesen sein wird. Viellicht auch deshalb, weil weit und breit keine philippinischen Piraten zu sehen waren.


Nützliche Links


Update 2007

2007 schlug das äquatoriale Philippinen-Fieber wieder zu. Der Drang, sich hemmunglos Pressluft zu jeder Tages- und Nachtzeit in die Lungen zu ziehen und am Riff von Bituon auf Fotopirsch zu gehen, war zu stark. Der Transfer ab Tagbilaran hat sich drastisch verkürzt. Eine Strasse, die vormals an eine 'Camel-Trophy' Strecke erinnerte ist nun fertiggestellt und die Transferzeit wesentlich verkürzt. Nur auf den letzten Kilometern von Guidulman zum Resort wird noch gebaut.

Im Resort gibt es ebenfalls zahlreiche Verbesserungen. Die Gartenanlage wurde erweitert und verschönert. Am Strand auf den Felsblöcken thronen nun Sonnenschirme und Liegen, die besonders am Abend bei Sonnenuntergang ein lauschiges Plätzchen sind.

Für UW Fotografen und Nachttaucher sind die neuen Stromanschlüsse und Ablageflächen direkt im Bereich der Tauchgarderobe ideal. Lampen und Blitze brauchen zum Aufladen nicht mehr quer durchs Resort in den Bungalow gebracht werden.

Unter Wasser hat sich nicht viel verändert. Tauchplätze wie Coral Garden sind nach wie vor atemberaubend. Einzig die Wasserqualität hat - subjektiv betrachtet - nachgelassen. Während des gesamten dreiwöchigen Aufenthalts war sogar im März unter Wasser leider 'Nebel' angesagt. Schwebeteilchen trüben massiv das Wasser und schränken Sicht und Fotografieren ein. Es darf spekuliert werden, ob die Schwebeteilchen von den nahegelegenen Shrimp-Farmen, übermässigem Reisanbau in der Umgebung oder Einleitung von Abwässern stammen oder eine natürliche Ursache haben.


Walhai bei Leyte

Will man im Wasser Weitblick und Grossfisch, bietet sich eine Walhai-Tour an. Freitags geht es los auf eine 'Mega-Banka', ein traditionelles, aber verhältnismässig grosses, phlippinisches Fischerboot. "Kommt ihr mit zur 'Walhai Adventure Tour'?", fragt Basisleiter Ralf. Na klar! Wie ist das so? "Kommt zum Dia-Vortrag heute Abend da zeige ich Euch die Bilder von der letzten Tour".

Was man auf der Walhai-Tour erlebt, liest Du hier.
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